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Erlebnisse von Dorothée

Erlebnisse von Dorothée

Hier werden jeweils von Dorothée ihre aktuellen Erlebnisse und Gedanken mit euch ausgetauscht.

Das heisst, auch Sie dürfen Kommentare schreiben, die auch veröffentlicht werden können.

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Begegnung in der Nacht …

Begegnung in der Nacht …

Wir waren um ca. 02.30 h in der Nacht auf dem Sihlquai-Strassenstrich unterwegs und besuchten die dort arbeitenden Frauen. Dabei trafen wir „J“, eine dunkelhäutige Person, etwa 40 Jahre alt, der wir vorher noch nie begegnet waren. Sie stand gebückt an einem Geländer angelehnt, mit wild zerzausten Haaren. Uns kam ein beißender, stinkender Geruch entgegen. Die Frau machte den Eindruck, als ob sie ihr ganzes Hab und Gut in einem Plastiksack bei sich hatte. Wir sprachen sie an und fragten, ob sie etwas Kaffee und Essen wünsche? Ihr Gesicht erhellte sich und sie nickte. Als wir sie fragten, warum sie hier stehen müsse, rollten ihr dicke Tränen übers Gesicht und sie fing sofort an herzzerreissend zu weinen. Sie wurde immer lauter und schrie förmlich, so dass der Schall davon in den Häuserfassaden nachhallte. Uns wurde es fast peinlich, wegen der Nachtruhe und weil wir auch kein Aufsehen erregen wollten. Voller Verzweiflung sprudelte in gebrochenem Deutsch das Elend aus ihr heraus: „Man habe sie einmal an eine Wand geschlagen, überall sei Blut runter gelaufen, usw., usw.“ Wir hatten Mühe, alles zu verstehen, doch sie war erkennbar traumatisiert, verwirrt und stand unter Alkohol oder Drogeneinfluss. Wir fragten sie, ob wir ihr helfen könnten? Ja, sie brauche noch mehr Essen. Ich fragte sie, ob wir für sie beten dürfen, was die Frau bejahte. Danach beruhigte sie sich und wir umarmten uns lange.
Wir machten uns Gedanken, wie ganzheitliche Hilfe in diesem Fall aussehen müsste? Hätten wir doch einen Ort, wo wir sie waschen, mit warmen Essen versorgen und ihr ein Bett anbieten könnten. Eine schwierige Situation mitten in der Nacht. Wir selbst haben ja Teenager zuhause und können nicht einfach Frauen von der Strasse nach Hause nehmen, schon aus Platzgründen nicht. Traurig mussten wir zu unseren Grenzen stehen und sie zurücklassen, nachdem wir sie mit Essen, Getränken und Hygiene-Artikel versorgt hatten. Unser Gebet ist seither noch stärker geworden, dass uns die Türen zu Häusern, Behörden und Einrichtungen aufgehen die solche Frauen ohne Bürokratie beherbergen, behandeln und betreuen. Oder noch besser, dass Gott uns selbst diese Ressourcen gibt, weil diese Vision schon lange in unserem Herzen brennt. Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott möglich!
Menschenhandel im Langstrassenquartier und am Sihl...

Menschenhandel im Langstrassenquartier und am Sihlquai

Kürzlich kamen verschiedene Fernsehsendungen auf Tele Züri über Prostitution, Strassenstrich und Menschenhandel in Zürich.
Auch wir werden bei unseren Einsätzen immer wieder damit konfrontiert!
Diese Mechanismen sind purer „Schrecken“ und menschenverachtend. Die Mädchen/Frauen aus Ungarn und der Osterweiterung kommen oft aus sehr ärmlichen Verhältnissen. Sie folgen dem Lockruf der Menschenhändler in eine scheinbare Idylle und hoffen, einen gut bezahlten Job zu finden. Kaum in der Schweiz angekommen, entwenden die Schlepper ihnen Ausweise/Papiere und machen sie so völlig abhängig von ihnen. Was dann folgt, ist nicht selten grobe Gewalt, psychisch und physisch! Dazu kommen die dauernde Überwachung, unmenschliche Arbeitszeiten und zusammengepferchte Wohngelegenheiten wie Sardinen in der Dose. Ist man einmal drin, gibt es kein Entrinnen mehr.
Hilfe zu leisten ist schwierig, da die Frauen verängstigt sind, kaum Deutsch reden, sich vor Gerichtsprozessen fürchten und von diesem kriminellen Netzwerk bis in die Heimat verfolgt werden!
Die Nachfrage von Seiten der Kunden ist leider in Zürich vorhanden. Diese Freier sind manchmal rücksichtslos, gewalttätig und frech.
Manchen ist egal, ob eine Frau krank oder schwanger ist. Eine betroffene Frau erlebte nach einem Freier den Anfang ihrer Wehen, musste also bis zum Geburtstermin anschaffen! ...
Es gab auch in diesem Jahr eskalierende Fälle, wo Frauen mit Waffen bedroht wurden und Vergewaltigungen erlebten! … :-(
 
Kürzlich erfuhren wir von befreundeten Schweizern, die in Asien leben, dass auch dort der Menschenhandel/Kinderhandel sehr schlimm sei. Hier einige Zeilen aus einem persönlichen Brief …
„Hallo ihr Lieben. Ich musste heute an euch denken, als wir in das Armenviertel fuhren. Es gibt hier 9 Häuserblocks mit ca. 30‘000 Einwohnern. Die Arbeit unter den Armen geht wohl auf der ganzen Erde nie aus. Habe mich heute schon gefragt, warum es überhaupt so viel Armut gibt auf der Welt. Nun ja, ihr habt auch eure Erfahrungen auf diesem Gebiet … Hier jedoch ist es noch schlimmer, nicht nur die Armut, sondern vor allem die Prostitution ist herzzerreissend. Gerade auch weil man glaubt, dass wenn man Sex mit einer Jungfrau hat, dann ist man lebenslänglich gegen Aids geschützt. Dieser Aberglaube führt zu vielen Vergewaltigungen. Jede Nacht werden Mädchen in den Bordellen zur Prostitution angeboten. Manchmal sogar 3-4 Jährige. :-(
Schicke euch liebe Grüsse“
 
Diese Hölle kann man nicht in Worte fassen. Welch Schmerz und Hoffnungslosigkeit für all diese Opfer. Man wird stumm und möchte trotzdem laut schreien! …
Es ist unsere Entscheidung, nicht einfach wegzuschauen!

Das Wort „KRISE“

Ich höre in den Medien immer wieder das Thema „Krise, Krise, Krise“! Ich persönlich kann es fast nicht mehr hören.
So viele Menschen stecken täglich weltweit in einer Krise und manche vielleicht schon ihr ganzes Leben lang. Wer spricht denn hier darüber? …
Ich dachte nach, ob Gott wohl auch in der Krise steckt, bei soviel Krise hier?
Krisen gibt es und manchmal werden wir vor diesen nicht verschont. Manche kommen über Nacht, andere schleichend über Jahre. Was mich darin tröstet ist, dass Gott mit uns mitten hindurchgeht. Wir sind nicht alleine! …   
Eine Krise bewirkt nicht nur Negatives, sondern auch viel Gutes! Man erlebt eine persönliche Veränderung und geht oftmals stärker aus der Situation heraus. Die Krise ist zudem eine Chance, Dinge zu verändern, Neues zu wagen und Altes loszulassen. Ich kann ruhig sein und vertrauen.

Bewahrung …

Es war regnerisches Wetter kurz nach einem Gewitter. Ich war mit dem Auto unterwegs zum Einkaufen. An einem Verkehrs-Kreisel kam dann plötzlich mein Auto ins Rutschen und ich verlor die Kontrolle. Es schleuderte auf die linke Seite, dann auf die rechte Seite usw.
Ich befand mich zum Glück schon auf der Autobahneinfahrts-Strasse und war soooooo froh, dass mir kein Auto entgegen kam. Wie durch ein Wunder wurde ich vor Schaden bewahrt.
Doch mein Herz war völlig in der Hose, dennoch musste ich gezwungenermassen weiterfahren, da hinter mir andere Autos waren.
Später erfuhren wir dann, dass dort Öl auf der Strasse ausgelaufen war. Auch drei Wochen später stand dort immer noch ein Ölwarnungs-Schild.
Mir wurde wieder neu bewusst, wie schnell es plötzlich gehen kann, dass wir in unserem Leben die Kontrolle verlieren und wir total abhängig werden oder auch wie schnell es gehen kann, wenn es Zeit ist, zu gehen! …
Wer ist denn unser Nächster? ...

Wer ist denn unser Nächster? ...


Folgende Zitate aus dem Buch von H. & R. Baker „Lieben, wir können nicht anders …"  haben mich sehr berührt:
Wer ist denn unser Nächster, den wir lieben sollen? Der unter der Brücke Lebende, oder der Verfolgte in Afganistan oder der Hungernde in Malawi oder …oder … die Städte sind voll von Menschen, sie sind unsere Nächsten (auch in Zürich usw.)!
 
Ein ganz praktisches Beispiel aus diesem Buch finden wir in der übertragenen Geschichte vom barmherzigen Samariter: Eine Person fällt auf dem Weg Räubern in die Hände, liegt nackt und verletzt am Wegrand. Es ist gar nicht möglich, ihn zu übersehen. Ein Priester/Pfarrer geht vorbei, hat keine Zeit, er muss an einer Konferenz predigen. Später kommt ein Musiker, unterwegs zu seinem Gottesdienst. Er denkt an seine Aufgabe und lässt die Person liegen. Dann kommt ein Geschäftsmann, ein Seelsorger, eine Hausfrau, usw.
 
Und wir? Verstecken wir uns und schieben die Verantwortung auf ein paar Andere ab? Oder ist es die Angst vor der Begegnung mit dem Leid? Sie verhindert, dass wir Schritte tun. Jesus sagt: "Liebe deinen Nächsten, wie dich selbst …" Wie können wir das tun? Im eigenen Herzen braucht es ein Umdenken. Es darf uns nicht egal sein, wie es unseren Nächsten draussen geht. Wir müssen uns entscheiden anzuhalten ...
 
Unsere Herausforderungen ...

Unsere Herausforderungen ...

 

  • Leben in Abhängigkeit, von Gott und den Menschen. Zum Beispiel im Bereich Finanzen ... 
     
  • Unregelmässigkeiten, Einsätze bei Tag und manchmal auch in der Nacht. Dazwischen weitere Aufgaben, Familie, Haushalt, usw.
     
  • Herausforderungen: Neue Schritte wagen, auch wenn es ein neuer Weg ist. Aus dem Boot steigen, auch wenn man nicht weiss, ob es trägt. Loslassen, Vertrauen, Hoffen, Glauben ...

  • Ängste, Zweifel, Einsamkeit, usw: In unserer Arbeit sind wir einem Wechselbad von Gefühlen ausgesetzt. Dabei lernen wir das Ziel im Focus zu behalten, weiter zu gehen und zu vertrauen.

  • Abgrenzung in Grenzsituationen: Immer wieder kommen uns Menschen in ihren Nöten und Süchten sehr nahe. Abgrenzung ist eine wichtige Voraussetzung.
     
  • Psycho-Hygiene: Selbstverständlich putzen wir regelmässig unsere Zähne. Doch wie steht es mit der Hygiene in unserem Herzen? Zum Beispiel schlechten Gedanken, Sorgen, negativen Erlebnissen, usw.? Wir lernen Psycho-Hygiene ganz praktisch, indem wir belastende Dinge im Gebet bei Gott deponieren.