Portrait von Sandro Ardu ... - heartwings.ch
 

Portrait von Sandro Ardu ...

Chaos in der Kindheit ...

Chaos in der Kindheit ...

Mein Name ist Sandro Ardu. Ich bin vor 42 Jahren in Interlaken auf die Welt gekommen und stamme aus einer italienischen Familie. Ich bin das jüngste von 4 Geschwistern.
Meine Kindheit war nicht die, die man sich als Kind wünscht: Liebe, Geborgenheit, Zärtlichkeit, erwünscht sein, Verständnis usw. waren nicht vorhanden. Ich erlebte alles andere als das. Mit 6 Jahren wurde ich in ein Heim in Norditalien an sehr strenge und frustrierte Erzieherinnen übergeben. Ich denke, kein einziges Kind, das dort war, kam ohne tiefe Verletzungen dort heraus. Wir wurden in dunkle Räume eingesperrt, gedemütigt, in der Schule geschlagen und vieles andere mehr. Ich war ein ganzes Jahr dort, und ich wurde kein einziges Mal von meinen Eltern besucht. Das ist nur ein kleiner Abschnitt meiner Kindheit, ohne die physische und psychische Gewalt, die ich über mich ergehen lassen musste bis zu sexuellem Missbrauch zu erwähnen.
Schneller Abstieg ...

Schneller Abstieg ...

Ich fing schon im Alter von 15 Jahren an Drogen zu konsumieren, bis frühmorgens in den Ausgang zu gehen, eine Freundin nach der andern zu haben, bis ich schlussendlich 1987 an der Nadel hing und schwer drogenabhängig war. Ich versuchte alles, um meine inneren Defizite und meine Leere zu füllen und zu stillen. Ich konsumierte alles Mögliche, aber hauptsächlich Heroin und Kokain, auch verschiedene Medikamente. Ich versuchte mehrere Male einen Entzug zu machen, aber ohne Erfolg. Auch Gefängnis und polizeiliche Zwangseinweisungen in die Psychiatrie halfen nichts.
Eine wichtige Wendung ...

Eine wichtige Wendung ...

In dieser Zeit begegnete ich verschiedenen Menschen, die sich Christen nannten und mir von diesem gewissen Jesus erzählten. Aber ich wollte anfangs gar nicht hören, da mich die Existenz Gottes überhaupt nicht interessierte, bis zu diesem Tag, wo ich an einer Evangelisation teilnahm und die sanfte Stimme Gottes sagen hörte, ich solle ihm mein Leben anvertrauen. So nahm ich Jesus an diesem Abend, dem 21. Oktober 1991, in meinem Herzen an, hatte sowieso nichts zu verlieren, dachte ich und war mir nicht bewusst, was ich da für einen wichtigen Schritt gemacht hatte.
Ich war in dieser Zeit auf Methadon umgestiegen und besuchte nach diesem Ereignis eine Gemeinde in Thun. Ich sass ganz hinten und niemand wusste, dass ich dort anwesend war. Niemand kannte mich, ausser einem, und das war Gott persönlich. Plötzlich stand ein Mann auf und sagte, dass Gott ihm gezeigt habe, dass in diesem Gottesdienst eine Person anwesend wäre, die drogenabhängig sei und Gott selbst sie frei machen wolle. Ich war sehr beeindruckt, fühlte mich angesprochen und es wurde alles warm in mir. So schrie ich innerlich zu Gott und stellte seine Existenz auf die Probe, indem ich ihm sagte, dass wenn er wirklich wahrhaftig sei, er mich freisetzen möge. Ich warf mein Methadon-Fläschchen fort und wurde ohne Schmerzen frei.
Berg- und Talfahrten ...

Berg- und Talfahrten ...

Nach einigen Tagen hatte ich wieder einen Absturz, und die ganzen Entzugsschmerzen waren am Tag nach dem Absturz alle auf einmal da. An diesem Abend wurde ich von einer Frau, bei der ich wohnen durfte, zu einem kleinen Gottesdienst gebracht und diese Leute beteten für mich. Ich konnte danach die ganze Nacht schlafen und fühlte mich am nächsten Tag, als ob ich nie Drogen konsumiert hätte. Ich hatte Gott in seiner ganzen Fülle erleben dürfen, und ich fühlte mich zum ersten Mal geliebt, verstanden und angenommen.
Leider hielt dieser Zustand nicht lange an. Ich stürzte wieder voll ab und gelang auf die Strasse, hatte kein Dach mehr über dem Kopf und musste draussen schlafen. Mein Kleiderschaft war ein Schliessfach am Bahnhof. Alles was ich besass, hatte ich dort eingeschlossen.
Ich fing an, zwischendurch den Strich zu machen, damit ich zu meiner täglichen Dosis kam. Ich machte eine Überdosis nach der andern, und ich erwachte immer wieder nach einigen Stunden ganz von alleine. Da wurde mir klar, dass ich mich entscheiden musste … sterben oder leben. Gott zeigte mir, dass er mich immer beschützte und nicht gehen lassen wollte und dass mein Leben einen Sinn hat und ich nicht vergeblich existiere.

Ausstieg und langsamer Aufstieg ...

So entschied ich mich, ganz auszusteigen, machte einen Entzug, suchte eine Therapie, die ich auch machte und über zwei Jahre dort war. Nach der Therapie, die mir sehr geholfen hat und ich jedem Drogenabhängigen, die oder der aussteigen möchte, nur empfehlen würde, absolvierte ich zuerst eine Lehre als Landschaftsgärtner und danach eine Schule für Sozialpädagogen. Es lohnt sich 1-2 Jahre eine Therapie zu machen, wenn man danach noch ein ganz neues Leben haben und leben kann. Mit Gott ist nichts unmöglich. Ich durfte lernen, mit Problemen umzugehen, schwierige Situationen mit Gottes Kraft zu bewältigen und von Tag zu Tag stärker zu werden, zu reifen und zu wachsen.
Mehrere Menschen sehen die Jesus-Sache als Suchtverlagerung an, aber ich kann dazu nur sagen: Abhängig von Gott zu sein, heisst, innen frei zu sein. Gott hat mich in all den Jahren, die ich mit ihm auf dem Weg bin, von verschiedenen inneren Verletzungen geheilt, von Lasten und Zwängen befreit. Ich durfte erleben, wie vergeben Ketten sprengt und frei macht.
Der Alltag ist nicht immer einfach. Aber mit Gottes Kraft und Liebe kann man über Mauern springen. Und wenn ich hinfalle, reicht Gott mir immer wieder erneut seine Hand, die mir wieder aufhilft.

Heute als Gassenarbeiter unterwegs ...

Heute arbeite ich als Sozialpädagoge (schon seit 13 Jahren) und als Gassenarbeiter. Das ist schon seit Jahren mein Herzenswunsch, Gott an der Grenze des Abgrunds dienen zu dürfen, ein lebendiges Zeugnis für die zerbrochenen randständigen Menschen zu sein, und ich darf immer mehr hineinwachsen, lernen und Gottes Wirken erleben.