Ein Familienmitglied von uns starb anfangs der 90er-Jahre völlig unerwartet an Heroin. Erst kurze Zeit in harte Drogen verstrickt und viel zu jung weggerafft.

Für uns war dies wie ein harter, aufweckender Schlag ins Gesicht. Warum stirbt ein Mensch aus dem Umfeld und keiner merkt etwas?

Das war vor vielen Jahren, doch ist es heute besser? Für uns war diese Erfahrung sehr einschneidend. Nach diesem Erlebnis kamen wir mit weiteren Menschen aus dem Drogenmilieu in Berührung, die eine Veränderung suchten. Einen jungen Mann nahmen wir (und meine Familienmitglieder) sogar zu Hause für einige Monate auf und begleiteten ihn durch all diese verschiedenen Prozesse im Suchtausstieg. Heute ist dieser Mann verheiratet und hilft neben seinem Job auch freiwillig in einer Drogenarbeit mit.

In der anschliessenden "Afrika-Zeit" erlebten wir eine taffe Lebensschule, vollgespickt mit vielen Erlebnissen und Grenzerfahrungen. Unser Herz fühlte sich auch dort zu den Menschen hingezogen, um die sich niemand gekümmert hat. Wir fingen unter anderem eine Arbeit unter Frauen an, die im Sexgewerbe (Strassenstrich) sich ihr Brot verdienten und eine Veränderung wünschten. 

Zurück in der Schweiz in meiner Arbeit als Pfarrer/Pastor vermissten wir diesen Kontakt zu ausgegrenzten Menschen, da diese bekanntlich kaum in eine Kirche gehen. So wuchs in uns der Wunsch, dahin zu gehen, wo diese Menschen sind.
Frère Roger aus Taizé hat diesen Prozess mal mit folgenden Worten beschrieben: "Es gibt Menschen, die - zunächst vielleicht nur undeutlich - erkennen, dass der Ruf, den Gott an sie richtet, eine Berufung für das ganze Leben ist! ... Unser Leben unterliegt nicht den Zufällen eines Schicksals. Es erhält einen Sinn, wenn es zuallererst lebendige Antwort auf einen Ruf Gottes ist." ... 

Dies gab uns den Startschuss, Schritte aus dem sicheren Boot hinaus auf das stürmische Wasser zu wagen. So sind wir seit dem Frühjahr 2008 in dieser neu angefangenen Arbeit auf der Gasse und erleben viel Ermutigung.