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23.9.26

Heartwings im Wandel

Liebe Freunde von Heartwings

2008 gründeten die Pastoren Peter und Dorothée Widmer den Verein Heartwings, eine NGO, welche Menschen im Rotlichtmilieu ganzheitlich dient und in die Freiheit führt. Von Anfang an verknüpfte das Seelsorger- und Streetworker-Ehepaar unermüdliche Gassenarbeit mit konkreten Ausstiegsprogrammen, um Betroffenen von Prostitution, Armut und Menschenhandel eine Perspektive abseits der Ausbeutung zu ermöglichen.

Ihre Arbeit zeichnete sich durch Feinfühligkeit und bedingungslose Annahme, praktische Lebenshilfe und gesellschaftspolitische Aufklärung aus. Peter und Dorothée begegneten Menschen am Rande der Gesellschaft auf Augenhöhe. Nachts waren sie auf den Strassen und in den Clubs des Zürcher Kreis 4 sowie im ganzen Kanton präsent, um Vertrauen aufzubauen und Beziehungen zu vertiefen. Ihr Dienst beschränkte sich nicht nur auf die Frauen, sondern galt allen Akteuren im Milieu. Im Mittelpunkt stand der Mensch, unabhängig von dessen aktueller Lebenssituation.

Mit ihren Kontakten und Erfahrungen entstanden nationale und internationale Netzwerke und in Indien sowie Tansania Schutzhäuser für missbrauchte Kinder und ehemalige Prostituierte.

Die Arbeitsweise von Heartwings war und ist eine ganzheitliche: Durch das innovative Arbeitsintegrationsprogramm «Employment for Freedom» finanziert und begleitet Heartwings Betroffene, indem sie einen geschützten Wohnraum, Sprachkurse, psychologische Unterstützung sowie Schuldenberatungen erhalten, um wieder vollständig auf eigenen Beinen stehen zu können.

Widmers Empathie erwuchs aus eigenen, überwundenen Lebenskrisen, was sie zu authentischen Hoffnungsträgern macht. Dorothée Widmer nutzte zudem ihre kreative Gabe als Künstlerin, um mit ausdrucksstarken Bildern sprachliche und kulturelle Barrieren zu überwinden.

Die im Milieu und überall sonst verteilten Kunstkarten dienten den Menschen als greifbare Erinnerung an ihre eigene Würde und ihren unschätzbaren Wert.

Peter und Dorothée Widmer sind eine mutige Stimme gegen Ungerechtigkeit. Über Streetwork hinaus leisteten Widmers essenzielle Präventions- und Aufklärungsarbeit in Schulen, Kirchen und Medien. Sie brachen das Schweigen über die harten Realitäten im Rotlichtmilieu und forderten unerschrocken einen gesellschaftlichen und politischen Systemwechsel hin zu mehr Menschlichkeit und Schutz für die Schwächsten. Durch ihre Zurüstung und Schulungen erhielten viele Leute Impulse, einen ähnlichen Dienst im In- und Ausland zu starten.

Aufbruch zu neuen Ufern

Die Arbeit von Heartwings wuchs in den letzten Jahren kontinuierlich. Aus der anfänglichen Pionierarbeit entstand eine NGO mit mehreren Mitarbeitenden, erweiterten Betätigungsfeldern und neuen Strukturen.

Widmers sind Pioniere und keine Manager oder Administratoren, was Wachstumsschmerzen verursachte. Deshalb entstand mit allen Beteiligten die Alternativlösung, dass Widmers zu neuen Ufern aufbrechen. Sie werden den Verein auf Ende Oktober 2026 verlassen.

Peter und Dorothée hinterlassen eine gut aufgestellte Organisation mit einer starken, bleibenden Botschaft: Veränderung ist möglich. Wir danken Peter und Dorothée für ihr herausragendes Engagement, die unermüdliche Hingabe, die Ausdauer in schwierigen Umständen und ihren vorbildlichen Mut in diesen 18 Jahren bei Heartwings.

Heartwings Zukunft

Der ganze Ablösungsprozess hat sich seit über einem Jahr abgezeichnet. Die neuen Strukturen wurden rechtzeitig gelegt. Das Heartwings-Team unter der Leitung von Jael Schwendimann ist gut abgestützt und motiviert an der Arbeit.

Unser Grundauftrag bleibt derselbe, wie es Jael Schwendimann treffend formuliert:

«Für mich ist Prostitution kein Job wie jeder andere. Sie steht für Machtverhältnisse, in denen die Bedürfnisse der einen Person auf Kosten der körperlichen und persönlichen Grenzen einer anderen erfüllt werden. Ich träume von einer Schweiz, in der niemand seinen Körper verkaufen muss, um überleben zu können. Dafür setze ich mich ein: Damit Ausstieg eine echte Möglichkeit wird und nicht nur ein Wunsch bleibt.»

Als Vorstand danken wir dem Heartwings-Team für seinen überdurchschnittlichen Einsatz an allen Fronten in den vergangenen Monaten.

Für unsere Arbeit und den nach wie vor intensiven Prozess bitten wir Euch um Eure Unterstützung – insbesondere in der Fürbitte. Wir danken Euch für Eure Loyalität, Eure Treue und Euer finanzielles Mittragen. Ihr macht einen grossen Unterschied und so wird Veränderung möglich.

Herzlich

Der Heartwings Vorstand:
Stephanie Keller, Thomas Zindel und Kurt Meier

aktuelles.

23.9.2026

Heartwings im Wandel
Nach 18 Jahren verlassen Peter und Dorothée Widmer Heartwings und brechen zu neuen Ufern auf. Ihr Vermächtnis bleibt: Veränderung ist möglich. Heartwings führt diesen Auftrag mit neuen Strukturen und voller Kraft weiter.

13.5.2026

«Ich kann das nicht mehr länger einfach so hinnehmen»
Magdalena Fässler war Kriminalpolizistin. Als Ermittlerin bekam sie einen tiefen Einblick ins Rotlichtmilieu. Heute kämpft sie - wie auch Heartwings - für einen radikalen Wandel in der Schweizer Prostitutionspolitik.

13.5.2026

Ana Maria wurde im Tessin von einem Freier ermordet
Wir haben die Eltern der getöteten Rumänin ein Jahr nach der schrecklichen Tat getroffen. Sie sagten: «Unsere Tochter wurde getötet und es ist, als ob es allen egal sei.» Wir unterstützen sie nun auf dem weiteren Weg.

30.7.2025

«Prostitution zementiert ein zutiefst misogynes System.»
Aussteigerinnen fordern schon lange einen Systemwechsel in der Schweizer Prostitutionspolitik. Ermutigend war daher der Beitrag von TagesAnzeiger Co-Chefredaktorin Raphaela Birrer mit dem Titel: «Frauen für Sex zu kaufen, gehört verboten.»