
«Prostituierte (21) in Lodrino TI getötet», stand anfangs 2025 als Schlagzeile in der Zeitung. Die getötete Frau war eine junge rumänischeMutter. Sie wurde von einem Freier in einem Rustico im Tessin ermordet. Ihr Name:Ana Maria. Uns allen bei Heartwings ist diese Nachricht nahe gegangen. Inunserer Hilflosigkeit und Trauer haben wir – auch in den sozialen Medien – ein Versprechenabgegeben: «Ana Maria, wir vergessen dich nicht.»
Anfangs 2026 lasen wir in einer Tessiner Zeitung, dass sichAna Marias Eltern alleingelassen fühlen und keine Hilfe erhalten haben. Als wir das erfuhren, wussten wir: Wenn sich niemand um die Rechte dieser Familie kümmert, machen wir es. Auch wenn das Tessin weit weg von unserem sonstigen Wirkungsfeld ist. Über Umwege stellten wir den Kontakt zu Ana Marias Eltern her. Sie leben in Mailand. Kurz darauf fuhren wir mit einem rumänisch-schweizerischenHeartwings-Team zu ihnen. Wir trafen sie in einer dieser italienischen Cafeterias, in der viel zu lauter Pop läuft. Die Eltern sagten: «Unsere Tochter wurde getötet,und es ist, als ob das allen egal sei.
Ana Marias Eltern sind arm, leben ohne Job und Wohnung. Siehaben sich für die Beerdigung ihrer Tochter verschuldet. Die Mutter zeigt uns auf ihrem Handy ein Foto: Ana Maria als Schülerin in der typischen rumänischenSchuluniform, mit offenem, lebenslustigem Blick. Der Vater verlässt den Tisch, weint –«mein Kind!» Wir weinen mit ihnen über dieses Kind – die Frau, die Schwester, die Mutter, die nicht mehr da ist. Ana Maria.
Als Eltern einer in der Schweiz getöteten Tochter haben sie Anspruch auf Genugtuung. Darüber wurden sie von den Schweizer Behörden nicht ausreichend informiert. Wir organisieren deshalb einen Termin bei der Tessiner Opferhilfe.
Drei Wochen nach unserem Besuch in Mailand sitzen wir mit den Eltern und einer Beraterin der Opferhilfe Lugano an einem Tisch. Wir beantragen für die Eltern von Ana Maria und für ihre 3-jährige Tochter, die in einem Kinderheim lebt, je 35’000 Franken Genugtuung. Es ist das Maximum, was Angehörigen im Falle eines Tötungsdelikts zusteht. Auch die Übernahme der Beerdigungskosten wird beantragt.
Das war unser erster Schritt der Unterstützung für die Eltern der ermordeten Ana Maria. Was die Eltern sich noch wünschen: in das Schweizer Dorf zu fahren, in dem ihre Tochter das Leben verlor und eine Strafe für Ana Marias Partner, der sie in die Prostitution gebracht hatte.
Wir denken ausserdem viel darüber nach, ob es irgendeine Möglichkeit gibt, die mittlerweile 3-jährige Tochter von Ana Maria für die Zukunft abzusichern.
Wir bleiben dran.